Aufwertung von 800er Silber auf 925er
Berechnungen und Methoden zur Erhöhung des Silbergehalts durch Zugabe von Feinsilber.
Auf einen BlickIn Goldschmiedewerkstätten in der Schweiz ist das Recycling von altem Tafelsilber (Bestecke, Schalen mit dem Stempel 800‰) eine beliebte Methode, um neues Material für Schmuck aus 925er Sterlingsilber zu gewinnen. Da 800er Silber jedoch einen zu hohen Kupferanteil besitzt, muss der Feingehalt durch Zulegieren von reinem Feinsilber (999‰) angehoben werden. Dieser Leitfaden erklärt die mathematische Formel (Mischungskreuz) und liefert fertige Werkstatttabellen.
Metallurgische Grundlagen der Aufwertung
800er Silber besteht aus 80,0 % Feinsilber und 20,0 % Kupfer. Sterlingsilber verlangt gesetzlich mindestens 92,5 % Feinsilber und maximal 7,5 % Kupfer. Durch Schmelzen allein kann das Kupfer nicht entfernt werden. Man verdünnt den Kupferanteil, indem man reines Feinsilbergranulat zugibt.
Die exakte Mischungsformel (Mischungskreuz / Pearson-Quadrat)
Um zu berechnen, wie viel Feinsilber zu einem vorhandenen Posten 800er Silber hinzugefügt werden muss:
Feinsilber (999) Zugabe = Gewicht 800er Silber × [ (Zielgehalt − Ausgangsgehalt) ÷ (Feingehalt Zugabe − Zielgehalt) ]
Mit den konkreten Werten:
- Ausgangsgehalt = 800‰
- Zielgehalt = 925‰
- Feinsilbergranulat = 999‰
Feinsilber Zugabe = Gewicht 800er × [ (925 − 800) ÷ (999 − 925) ] = Gewicht 800er × (125 ÷ 74) ≈ Gewicht 800er × 1,6892
Faustregel für die Werkbank: Um 800er Silber auf 925er Sterling aufzulegieren, müssen Sie das 1,69-Fache des Ausgangsgewichts an Feinsilber zugeben!
Berechnungs-Tabelle: 800er Silber zu 925er Sterling aufwerten
Die folgende Tabelle zeigt die benötigten Mengen Feinsilber und das resultierende Sterlingsilbergewicht:
| Ausgangsgewicht 800er Silber (g) | Benötigte Zugabe Feinsilber 999 (g) | Gesamtgewicht 925er Sterling (g) | Gesamter Feinsilbergehalt (g) | Materialkosten Zugabe (CHF bei Spot 1,00/g) |
|---|---|---|---|---|
| 50 g (Teelöffel) | 84,46 g | 134,46 g | 124,38 g | CHF 84,50 |
| 100 g (Tafelgabel) | 168,92 g | 268,92 g | 248,75 g | CHF 168,90 |
| 250 g (Bestecksatz) | 422,30 g | 672,30 g | 621,88 g | CHF 422,30 |
| 500 g (Silberschale) | 844,60 g | 1 344,60 g | 1 243,75 g | CHF 844,60 |
| 1 000 g (1 kg) (Tafelgeschirr) | 1 689,20 g | 2 689,20 g | 2 487,50 g | CHF 1 689,20 |
Praktische Tipps für das Schmelzen im Atelier
1. Besteckgriffe prüfen: Alte Tafelmesser besitzen fast immer hohle Griffe, die mit Zement, Harz oder Blei ausgegossen sind. Diese Füllung muss restlos entfernt werden, da Blei das Silber sofort unbrauchbar macht.
2. Tiegelbeladung: Zuerst die zersägten 800er Stücke einlegen, darauf das Feinsilbergranulat schütten.
3. Gründlich Umrühren: Wegen des Dichteunterschieds zwischen Silber ($10,49 g/cm^3$) und Kupfer ($8,96 g/cm^3$) muss die Schmelze vor dem Vergießen mindestens 20 Sekunden mit einem Graphitstab umgerührt werden.
4. Sicherheitszuschlag: Schweizer Kontrollämter (Edelmetallkontrolle) kennen keine Minustoleranz. Zielen Sie beim Legieren immer auf 928‰, um Beanstandungen sicher zu vermeiden.
Häufig gestellte Fragen (FAQ): Silber auflegieren
Kann man historische Schweizer Silbermünzen (vor 1968) zum Auflegieren nutzen?
Schweizer Silberfranken von vor 1968 bestehen aus 835er Silber. Für den Sprung von 835 auf 925 gilt der Faktor: $(925 - 835) / (999 - 925) = 90 / 74 ≈ 1,216$. Sie benötigen also das 1,22-Fache an Feinsilber.
Darf man aufgewertetes Silber legal als 'Sterling 925' stempeln?
Ja, sobald der Gesamtfeingehalt mindestens 925 Tausendstel beträgt und Sie Ihre registrierte Schweizer Verantwortlichkeitsmarke anbringen.
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