Silberschmelzen im Atelier
Verwendung von Borax und Management der Oxidation beim Silberschmelzen.
Auf einen BlickDas Silberschmelzen im Atelier birgt metallurgische Besonderheiten, die Goldschmiede regelmäßig vor Herausforderungen stellen. Das größte Problem flüssigen Silbers ist seine enorme Affinität zu Sauerstoff. Dies führt zum berüchtigten Spratzen (im Französischen *rochage*), bei dem das erstarrte Metall Gasblasen auswirft, Krater bildet und beim anschließenden Walzen splittert. Dieser Leitfaden zeigt, wie Sie Silber porenfrei schmelzen und vergießen.
Das Phänomen des Spratzens: Warum spuckt flüssiges Silber?
Flüssiges Silber (über 962 °C) kann das bis zu 22-fache seines eigenen Volumens an gasförmigem Sauerstoff aus der Umgebungsluft lösen. Beim Erstarren sinkt die Sauerstofflöslichkeit im festen Metall schlagartig um mehr als 95 % ab. Der freiwerdende Sauerstoff entweicht explosionsartig durch die erstarrende Gusshaut:
- Es kommt zum Verspritzen glühender Metalltröpfchen (Sicherheitsrisiko!).
- Der Barren erhält eine schwammige Innenstruktur mit Lunkern, die beim Auswalzen zu tiefen Rissen führen.
Vier Maßnahmen gegen die Sauerstoffaufnahme
1. Streng reduzierende Brennerflamme
Verwenden Sie eine weiche Flamme mit leichtem Gasüberschuss (reduzierend). Die Flamme muss die gesamte Tiegelöffnung abdecken, um atmosphärischen Sauerstoff fernzuhalten.
2. Holzkohle- oder Graphitabdeckung
Geben Sie eine Schicht feingestoßene Holzkohle oder Graphitpulver auf das Schmelzgut. Das verbrennende Kohlenstoffpulver bindet Restsauerstoff zu Kohlenmonoxid ($CO$) und erzeugt eine schützende Gasschicht.
3. Flussmittelmischung (Borax + Borsäure 1:1)
Reines Borax reicht bei Silber oft nicht aus. Die ideale Mischung besteht aus 50 % wasserfreiem Borax und 50 % Borsäurepulver:
- Borax löst Kupferoxide im Sterlingsilber.
- Borsäure hält die Schlacke bei niedrigeren Temperaturen flüssig und versiegelt die Metalloberfläche.
4. Desoxidations-Vorlegierungen
In der modernen Gussfertigung setzt man 0,2 % bis 0,5 % einer phosphor- oder siliciumhaltigen Vorlegierung zu. Diese Elemente binden Sauerstoff chemisch zu festen Schlackenoxiden.
Fehleranalyse beim Silberguss
| Fehlerbild am Gussbarren | Ursache | Sofortmaßnahme |
|---|---|---|
| Kraterförmige Auswürfe (Spratzen) | Sauerstoff im flüssigen Metall gelöst | Holzkohlepulver zusetzen, reduzierend schmelzen |
| Risse beim ersten Walzdurchgang | Kupferoxid an den Korngrenzen | Barren mit 1 % Kupfer-Phosphor neu schmelzen |
| Schwarze, eingebrannte Kruste | Überhitzung oder zu wenig Borax | In 60 °C warmer Beize gründlich absäuern |
| Glatte runde Löcher unter der Haut | Kalte Gussform oder ölige Feuchte | Einguss auf 200 °C vorheizen, mit Wachs fetten |
Absäuern und Weichglühen
Tauchen Sie den Barren nach kurzem Erstarren in Wasser ab und säuern Sie ihn in heißer Schwefelsäure-Ersatzbeize (Vitrex / Natriumbisulfat) ab. Vor dem Auswalzen muss Sterlingsilber bei ca. 650 °C (Dunkelrotglut) weichgeglüht werden.
Häufig gestellte Fragen (FAQ): Silberschmelzen
Darf man Salzsäure zum Beizen von Silber nach dem Schmelzen nutzen?
Nein! Salzsäure ($HCl$) bildet mit Silber eine unlösliche, weiße Schicht aus Silberchlorid ($AgCl$), die sich extrem schwer entfernen lässt. Nutzen Sie stets Beizsalze auf Bisulfatbasis.
Warum braucht Silber trotz niedrigerem Schmelzpunkt mehr Brennerleistung als Gold?
Silber besitzt die höchste Wärmeleitfähigkeit aller Metalle (429 W/m·K gegenüber 318 W/m·K bei Gold). Es leitet die Wärme rasant in den Tiegel ab und kühlt extrem schnell aus.
Anlagegold in der Schweiz kaufen (MwSt-frei)
Kaufen und lagern Sie physisches Gold in Hochsicherheitstresoren in Zürich oder Genf zum LBMA-Spotkurs.
Schmelzverlust-Rechner
Schmelzverlust (Merma)
Typische Verluste: Gold 0,5–1,5% · Silber 1–3% · Platin 0,8–2%