Der Säuretest für Gold
Praktischer Leitfaden zur Verwendung von Prüfsäuren zur Identifizierung von Karat.
Auf einen BlickDer Säuretest auf dem Probierstein (auch als Strichprobe bezeichnet) ist das älteste und bewährteste Schnellprüfverfahren im Goldschmiedehandwerk. In Schweizer Werkstätten und Pfandhäusern dient er dazu, den Feingehalt von Schmuck binnen Sekunden durch die chemische Reaktion genormter Prüfsäuren zu ermitteln. Dieser Leitfaden erklärt die korrekte Handhabung und Auswertung.
Das Prinzip der Strichprobe
Der Test nutzt eine feinkörnige, tiefschwarze Steinplatte (Lydit, Kieselschiefer oder schwarzer Radiolarit) als Abriebunterlage. Auf dem matten schwarzen Untergrund lässt sich der metallische Farbstrich optimal beurteilen.
Die Prüfsäuren sind abgestimmte Mischungen aus Salpetersäure ($HNO_3$), Salzsäure ($HCl$) und Wasser:
- Feingold widersteht reiner Salpetersäure vollständig.
- Unedle Legierungsbestandteile werden oxidiert und aufgelöst.
- Bleibt der Goldstrich unter der 18k-Prüfsäure unverändert stehen, beträgt der Feingehalt mindestens 750‰.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
Schritt 1: Der Sicherheits-Feilstrich (Schutz vor Dubleé)
Prüfen Sie Schmuckstücke niemals direkt an der Oberfläche! Hochwertige Vergoldungen (20-Mikron-Walzgold) täuschen auf dem Probierstein echtes Gold vor. Feilen Sie an einer unauffälligen Stelle mit einer feinen Dreikantfeile eine kleine Kerbe ein, um das Kernmaterial freizulegen.
Schritt 2: Der Abriebstrich
Reiben Sie die angefeilte Stelle mit leichtem Druck über den Probierstein, sodass ein gleichmäßiger, ca. 15 mm langer Metallstrich entsteht.
Schritt 3: Vergleichsstriche mit Probiernadeln
Ziehen Sie daneben Vergleichsstriche mit Probiernadeln bekannten Feingehalts (z. B. 14k und 18k).
Schritt 4: Auftragen der Prüfsäure
Tragen Sie mit dem Glasstopfen einen Tropfen der gewünschten Prüfsäure quer über die Striche auf.
Auswertungstabelle der Säurereaktionen
| Verwendete Prüfsäure | Getestetes Material | Reaktion nach 5 bis 10 Sekunden | Diagnose |
|---|---|---|---|
| 18k Säure (750‰) | Echtes 18k Gold | Keine Reaktion. Der Strich bleibt scharf und leuchtend gelb. | Feingehalt ≥ 750‰ |
| 18k Säure (750‰) | 14k Gold (585‰) | Strich verfärbt sich bräunlich und löst sich langsam auf. | Feingehalt zwischen 14k und 18k |
| 18k Säure (750‰) | 9k Gold (375‰) | Strich löst sich schnell rotbraun auf. | Feingehalt unter 14k (mit 9k-Säure nachtesten) |
| 18k Säure (750‰) | Messing / Doublé | Sofortiges Aufbrausen. Der Strich verschwindet binnen 1 Sekunde grünlich. | Unedel / Unecht |
| 24k Säure (Königswasser) | Feingold 999‰ | Kalt keine Reaktion, löst sich erst bei Erwärmung. | Feingold 24 Karat |
| Silberprüfsäure (Schwerter) | Silber 800–999‰ | Verfärbt sich sofort blutrot bis rubinrot. | Echtes Silber |
Pflege des Probiersteins
- Neutralisieren: Säure sofort mit Papiertuch abtupfen und Stein mit Natronlauge (Backpulverlösung) neutralisieren.
- Reinigen: Gesättigte Steine unter Wasser mit feinem Schleifpapier (Körnung 800 bis 1000) abziehen.
- Einölen: Einen Tropfen Paraffinöl verreiben, um die seidenmatte schwarze Tiefe zu erhalten.
Häufig gestellte Fragen (FAQ): Säuretest
Wird das Schmuckstück durch die Säure beschädigt?
Nein, da die Säure nur auf den Stein aufgetragen wird. Lediglich der kleine Feilstrich hinterlässt eine mikroskopische Spur an verdeckter Stelle.
Wie lange sind Prüfsäuren haltbar?
Prüfsäuren altern durch Lichteinfluss und Luftkontakt. Erneuern Sie die Fläschchen alle 12 bis 18 Monate.
Anlagegold in der Schweiz kaufen (MwSt-frei)
Kaufen und lagern Sie physisches Gold in Hochsicherheitstresoren in Zürich oder Genf zum LBMA-Spotkurs.